Unsere Welt ist schnelllebig, dynamisch und geprägt von stetigem Wandel. Wie bereiten wir unsere Kinder auf diese Welt vor? Wie lernen sie Kompetenzen, die morgen zählen?
Beim diesjährigen BildungsTalk stellte das Kollegium St. Michael Zug sein zukunftsweisendes Schulentwicklungsprojekt Maker Education vor. Die beiden Experten Prof. Dr. Björn Maurer von der Pädagogischen Hochschule Thurgau und Fabian Egger, Maker Teacher an der Schule Weinfelden, zeigten in ihren Inputreferaten, was schulisches Making ist, und wie es in einem MakerSpace umgesetzt werden kann. Moderiert wurde der Abend von Damian Haas*, SRF-Redaktor bei SRF Kids und SRF school.
Maker Education – Lernen neu erleben
Prof. Dr. Björn Maurer erklärt: «Maker Education ist ein kreativer Ansatz, der Lernen durch Zusammenarbeit und praktische Anwendungen bereichert. Wir alle wünschen uns eine Schule, in der Kinder nicht nur Wissen erwerben, sondern Kompetenzen entwickeln, die sie ein Leben lang begleiten. Schulisches Making setzt genau hier an.»
Am Beispiel einer Meerschweinchenfuttermaschine, die eine Schülerin namens Mia entworfen hat, zeigt Prof. Dr. Björn Maurer, wie aus einer Idee ein Lernprozess entsteht: Mia entwickelt einen ersten Prototyp, testet ihn, entdeckt Schwachstellen, entwirft neu, testet erneut und verbessert ihr Projekt Schritt für Schritt. Als sie auf ein Problem stösst, das sie alleine nicht lösen kann, holt sie sich Unterstützung aus ihrer Gruppe. Gemeinsam finden sie eine Lösung. Am Ende weicht Mia sogar ganz von ihrer ursprünglichen Idee ab, weil sie erkennt, dass die Meerschweinchenfuttermaschine nicht zu ihren Tieren passt. Im schulischen Making gilt ein solcher Richtungswechsel nicht als Scheitern, betont Prof. Dr. Björn Maurer. Vielmehr ist er Ausdruck eines aktiven Denkprozesses und Teil einer nachhaltigen Lernerfahrung.
Ein besonderer Mehrwert von schulischem Making liegt im sinnhaften, vernetzten Lernen, führt Prof. Dr. Björn Maurer aus. Fachinhalte aus Mathematik, Naturwissenschaften, Sprache, Gestaltung oder Technik werden nicht isoliert vermittelt, sondern in konkreten Maker-Projekten miteinander verbunden. So erkennen Kinder, wofür sie lernen, können Wissen praktisch anwenden und ihre Kompetenzen weiterentwickeln. Gleichzeitig lernen sie, Herausforderungen anzunehmen, Lösungswege zu finden und aus Fehlern zu lernen.
MakerSpace – entdecke, kreiere, erlebe
Fabian Egger, Maker Teacher an der Schule Weinfelden, gab Einblicke in den MakerSpace, einen Ort, an dem entwickelt, experimentiert und reflektiert wird. «Im MakerSpace liegt der Fokus nicht nur auf Kreativität und dem Entwickeln eigener Projekte. Er ist auch ein Ort der Kollaboration und Kommunikation. Schülerinnen und Schüler unterstützen sich gegenseitig, wenn sie an ihre Grenzen stossen. Sie lernen voneinander und geben ihr Wissen weiter.» Die einzelnen Projektschritte werden dokumentiert und die fertigen Projekte anschliessend präsentiert. Die Jugendlichen werden ermutigt, über den eigenen Horizont hinauszudenken und neue Lösungsansätze zu erkunden, während sie gleichzeitig praktische Erfahrungen für zukünftige Herausforderungen sammeln.
Fabian Egger berichtet zudem, dass viele Schülerinnen und Schüler zu Beginn noch unsicher sind und nur wenige eigene Ideen haben. «Heute kommen sie sehr gerne in den MakerSpace und lassen sich kaum bremsen.» Besonders beliebt ist das Arbeiten mit unterschiedlichen Geräten und Materialien: von digitalen Technologien wie 3D-Druckern, Lasercuttern oder Physical Computing bis hin zu analogen Methoden wie Holz- und Werkstattarbeiten.
Auch Stimmen von Schülerinnen und Schülern zeigen die Vielfalt der Erfahrungen im MakerSpace: Während einige besonders das gemeinsame Arbeiten schätzen, geniessen andere das ruhige Tüfteln an eigenen Ideen. Eines haben jedoch alle gemeinsam: die Begeisterung für kreatives Machen, Selbstständigkeit und die Abwechslung zum «normalen» Schulalltag.
Zeitgemässe Bildungskultur
Im Anschluss an die Referate folgte eine von Damian Haas moderierte Gesprächsrunde mit den Experten sowie Björn Engeli, Geschäftsführer der Schulen St. Michael Zug AG und Rektor des Kollegiums St. Michael Zug. Die anwesenden Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen und sich am Austausch zu beteiligen.
Nach dem offiziellen Teil klang der Abend bei einem kleinen Apéro in angenehmer Atmosphäre aus.
Mit Maker Education beschreitet das Kollegium St. Michael Zug neue Wege. Schule wird dabei als offener Lernraum verstanden, in dem Neugier, Experimentierfreude und selbstwirksames Lernen zentrale Elemente sind. Das Projekt startet mit Schuljahr 2026/27.
«Ihr beschreitet einen Weg, der das bisherige Lernumfeld erweitert, sinnstiftendes Lernen ermöglicht, auf Eigenverantwortlichkeit und Inspiration setzt – und dadurch ein Mindset an innovativer Kraft, Begeisterung und interdisziplinärer Neugier etabliert. Das steckt an!»
So beschrieb Urban Bossard, ehemaliges Mitglied Bildungsrat Zug und ehemaliger Rektor Schulen Baar, seine Eindrücke des BildungsTalk 04. Sein Feedback bringt auf den Punkt, was an diesem Abend spürbar wurde: eine Schulentwicklung mit Überzeugung, Leidenschaft und einem Mindset, das man am Kollegium St. Michael Zug nicht nur hören, sondern regelrecht greifen konnte.
*Podcast «Bildungsreise» von Damian Haas:
Damian Haas arbeitet als Redaktor bei SRF Kids und SRF school. In seiner Freizeit produziert er den Podcast «Bildungsreise» für Lehrpersonen, Eltern und alle, die Kinder auf ihrem Lebensweg begleiten. Im Zentrum stehen Gespräche mit Fachpersonen aus dem Bildungsbereich, ergänzt durch Kinderstimmen, die ihre eigenen Perspektiven und Erfahrungen einbringen. Die Themen greifen Fragen aus dem Schulalltag auf – von Hausaufgaben, ADHS und Lernstrategien über Unterrichtsformen wie das Churermodell oder die Neue Autorität bis hin zu Spielen, Respekt und Stärkenorientierung. «Bildungsreise» lädt dazu ein, Schule gemeinsam zu reflektieren, neue Perspektiven zu entdecken und Bildung weiterzudenken.
Aus der Praxis für die Praxis
Anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der Schulen St. Michael Zug AG startete das Kollegium St. Michael Zug im Jahr 2022 mit dem BildungsTalk eine neue, öffentliche und kostenlose Veranstaltungsreihe für Eltern von schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen sowie für Interessierte. Mit dem BildungsTalk will das Kollegium St. Michael Zug eine aktive Rolle in der öffentlichen Wissensvermittlung in den Bereichen Erziehung und Pädagogik übernehmen und den Austausch unter Eltern und Interessierten fördern.
Weiterführende Informationen

Geschäftsführer und Rektor Björn Engeli gibt gerne persönlich Auskunft. Telefon 041 727 12 10 oder bjoern.engeli@kollegium-stm.ch
Bildung – ganzheitlich verstanden
Orientierung und Sicherheit sind zentral für junge Menschen – genauso wie Lebensmut und Selbstvertrauen. Wie jede gute Schule vermitteln wir Wissen und üben überfachliche Kompetenzen. Darüber hinaus helfen wir Jugendlichen gezielt, die Komplexität des Lebens zu meistern. Dazu gehören sichere Werte und die Fertigkeit, mit den Regeln umzugehen, die in der Welt gelten. Unsere Lehrpersonen verstehen sich deshalb nicht allein als Wissensvermittler, sondern als ganzheitliche Pädagogen.